Der musikalische Durchblick – große Alben 2019 und 2020

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Any

Am 29. März 2019 war es endlich so weit: Eine der aktuell angesagtesten Pop-Künstlerinnen warf ihr Debüt-Werk auf den Markt. Die Rede ist von Billie Eilish und ihrem damals aus der Fan-Riege lang ersehnten Album „When We All Fall Asleep, Where Do We Go?“ Besonders Titel Nummer zwei mit dem Namen Bad Guy ging mächtig durch die Decke und brachte der irisch-stämmigen, musikalisch leicht düsteren Singer/Songwriterin aus den USA international einen noch größeren Bekanntheitsgrad ein. Zu Recht!

Fast zehn Monate später, genauer gesagt am 17. Januar dieses Jahres, kam dann eine andere junge Künstlerin mit Wahnsinns-Stimme und neuem Album um die Ecke. Die US-amerikanische Sängerin Halsey haute uns mit „Manic“ allerdings – im Gegensatz zu Newcomerin Billie Eilish – ihr bereits drittes Studioalbum um die Ohren, das so hörenswert wie abwechslungsreich ist. Tänzelt doch einfach mal auf der Leichtigkeit des Songs Clementine dahin oder lasst euch von der Pop-Nummer You Should Be Sad überraschen. Im Februar kann dann auch, wer denn möchte, Halsey live in Deutschland zuhören.

Ebenfalls am 17.01.2020 kam das Album einer im Country-Pop anzusiedelnden Band raus, die bisher im Gegensatz zu beiden bereits genannten Künstlerinnen eher noch unterm Musik-Star-Radar durchschwebte. Little Big Town liefern uns mit „Nightfall“ nach drei Jahren ihr nächstes Album – eins zum Träumen und Schwofen. Empfehlenswert sind darauf vor allem die gleichnamige Singleauskopplung Nightfall, das soulige Stück Forever And A Night, das großspurig, aber nicht übertrieben mit Gospelgesang aufwartet, oder auch der lebendige Titel Next To You, der das Album eröffnet.

Wir bleiben noch einen Moment im Januar 2020, um einen besonderen Album-Frischling vorzustellen: Denn am 24. des ersten Monats jagten die sagenhaften Pet Shop Boys ihre Platte „Hotspot“ ins Universum, womit sie ihr mittlerweile 14. Studioalbum veröffentlichten – den Songs Monkey Business oder auch Burning The Heather durften wir schon vorab frönen. Das Duo wird dann auch noch passenderweise auf Tour gehen: Mit ganzen sieben Stopps in Deutschland gibt’s recht oft Gelegenheit, die „Tierhandlungs-Jungs“ 2020 live und in Aktion zu erleben.

Ein ebenfalls mehr als erfolgreicher Künstler überließ uns 2019 dem musikalischen Reisefieber: Am 14. Juni 2019 haute Bruce Springsteen sein sage und schreibe 19. Studioalbum raus. „Western Stars“ zeigt die Rockröhre von einer seltenen Seite, einer sanften. Der Hörer folgt dem Album wie einem Roadtrip: Mit Hitch Hiking, also trampen, startet er ins Ungewisse, um im Moonlight Motel zu enden. Ende 2019 zeigten einige Kinos bis dato unveröffentlichte Aufnahmen zum Album. Da von vornherein keine Tour geplant war, wurden Fans mit diesem besonderen Schmankerl entschädigt.

Circa neun Monate später dürften Pearl Jam unsere Ohren zum Wackeln bringen: Ihr elftes Studioalbum soll den Namen „Gigaton“ tragen. Gitarrist Mike McCready sagte dem Musikexpress, dass die Album-Erstellung eine lange Reise gewesen sei: emotional, dunkel, manchmal verwirrend. Aber auch aufregend, wie eine Roadmap zur musikalischen Erlösung. Was McCready, Vedder und Co. uns da servieren werden, wissen wir im März. Das Platten-Cover wurde allerdings schon vorab gezeigt. Mithilfe von Augmented-Reality, also erweiterter Realität, wurde das Bild zur lebendigen Gletscherlandschaft mit hinabrauschenden Wasserfällen – inklusive Ton. Etwa eine Album-Kostprobe?

Ein knappes Jahr zurückgesprungen gab’s einen Leckerbissen eines anderen Urgesteins: 17. Mai 2019. The National. „I Am Easy To Find“. Die Titel holen stimmlich wie textlich ab. Jedoch ändert sich beim Durchhören die klassische National-Manier, der Tonfall. Während Opener You Had Your Soul With You dem Musikstil der US-Amerikaner treu bleibt, entwickelt sich das Album später zum leichten Ausreißer, verglichen zu bisherigen Alben. Wo sich aber sonst viele Geister scheiden, können sie sich bei diesem Werk einig sein: The National haben gut daran getan, sich in neue Gefilde vorzuwagen.

Und weil‘s so schön ist, haben wir noch einen Hochkaräter. Die kamen recht spät im November 2019 mit ihrer Kreation aus der Deckung, dafür aber absolut passend zum Weihnachtsgeschäft. Am 22. November, um genau zu sein. „Everyday Life“ heißt das musikalische Weihnachtsgeschenk. Wir lösen auf: Coldplay waren es, die mit dem „alltäglichen Leben“ auf 16 Tracks und zwei Platten verteilt ihr achtes Studioalbum unter die Leute brachten. Die A-Seite, wenn man sie so nennen möchte, trägt dabei den Titel „Sunrise“ – die B-Seite passend dazu „Sunset“. Somit erlebt der Hörer beider Scheiben praktischerweise Sonnenauf- bis Sonnenuntergang.

Danke, nächster! Und so heißt das nächste große Album 2019 auch: „Thank U, Next“ von Ariana Grande. Besonders überzeugend ist der gleichnamige Titel Thank U, Next, der auf Position elf der am 8. Februar erschienenen Platte thront. Aber auch 7 Rings zeigt eine selbstbewusste, abgeklärte Popkünstlerin, die alles andere als verängstigt und eingeschüchtert wirkt. Dabei könnte man ihr diese Attribute nicht negativ anlasten: Der Anschlag von Manchester vor knapp drei Jahren passierte während Arianas Konzerts. Die 26-Jährige scheint Erlebtes aber zu verarbeiten.

Und damit schließen wir erst einmal die Reihe der besten, wichtigsten, größten oder einfach erwähnenswerten Alben der Jahre 2019 und 2020 – so far. Da gibt es noch viele mehr, die hier eigentlich einen Platz verdient hätten. Nächstes Mal. Versprochen. Bis dahin: Wir lesen und hören uns!